An Nachhaltigkeit kommt bald kein Unternehmen mehr vorbei, ist Andreas Enke sicher. Hier sagt der Mitinhaber und Vorstand der Geneon Vermögensverwaltung, welche Trends das Jahr 2021 prägen dürften.
Schon bald wird ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 verfügbar sein. Mit der Eindämmung von Corona werden 2021 wieder andere Themen in den Vordergrund treten – vor allem sozial und ökologische vertretbare Investments. Bei Blick auf das kommende Jahr kann man davon ausgehen, dass es dann schon
bald einen Impfstoff gegen das Corona-Virus geben wird - in einem größeren Umfang wahrscheinlich ab dem zweiten Quartal 2021. In Großbritannien hat BNT162b2, das Vakzin von Biontech, bereits die Zulassung erhalten. Die Produktion zusammen mit dem Partner Pfizer läuft schon, auch wenn sie sich ein wenig verzögert. Je stärker die Virus-Pandemie eingedämmt wird, desto klarer wird wieder der Blick
auf das, was durch den Corona-Sturm verdeckt und natürlich auch auf das, was an Schäden angerichtet wurde. Vor diesem Hintergrund werden im kommenden Jahr wahrscheinlich vor allem drei Themen dominieren: Erstens der Verlauf der weltweiten wirtschaftlichen Erholung nach der Covid-19-Pandemie. Außerdem die Konjunkturprogramme und ihre Auswirkungen auf Inflation und Wachstum. Genauso wichtig wird aber - drittens - ein Trend werden, der durch die Fokussierung der Nachrichten auf Corona in den Hintergrund gerückt ist: Fast vergessen ist mittlerweile, dass die EU mit der neuen „Green Deal“ genannten Wachstumsstrategie Europa bis 2050 klimaneutral umbauen will. „Wir müssen uns private Investitionen sichern, indem wir grüne und nachhaltige Finanzierung in den Mittelpunkt unserer Investitionskette und unseres Finanzsystems stellen“, so die Präsidentin der EUKommission Ursula von der Leyen. Für den Green Deal sollen in den kommenden Jahren insgesamt 750 Milliarden Euro mobilisiert werden. Ein veränderter Lebens- und Arbeitsstil, andere Produktionsbedingungen und ein geändertes Konsumverhalten werden für einen nachhaltigen Wandel der Wirtschaft sorgen. Die Unternehmen, die sich bereits heute zukunftsorientiert positionieren, werden von dieser Entwicklung profitieren. Auf andere Firmen, deren Geschäftsmodelle nicht mehr in die Zeit passen, kommen dagegen schwere Zeiten zu. Die Konjunkturprogramme werden, wenn sie zielgerichtet eingesetzt werden, als Katalysator wirken.
Parallel wird die Finanzwirtschaft durch die Einführung der „Taxonomie“ ein einheitliches Bewertungsverfahren für Geldanlagen einführen (müssen). Bisher geht die Systematik nur in die Richtung der ökologischen Wirkungen der Geldanlagen. Künftig sollen die Geldströme bewusst gelenkt werden. Investments verschieben sich Alle Faktoren zusammen, also ein verändertes Bewusstsein der Menschen, die Neuausrichtung der Wirtschaft, die sich den großen Problem dieses Jahrhunderts jetzt stellen muss, dem Klimawandel, und die Einführung einer sichtbaren Bewertungsskala bei den Finanzprodukten werden für eine Verschiebung der Nachfrage in Richtung von Nachhaltigen Produkten und Finanzdienstleistungen sorgen. Die Finanzwirtschaft kommt an dieser ehemaligen Nische nicht mehr vorbei. Aber in welchem wirtschaftlichen Umfeld wird dies passieren? Bei der CoronaSeuche wird es wahrscheinlich immer wieder zu Ausbruchswellen kommen. Bislang ist es bei fast keinem Virus gelungen, ihn weltweit auszurotten. Das ist auch bei Sars-CoV-2 kaum zu erwarten. Dadurch könnte sich die allseits erwartete Konjunkturerholung verzögern. Unternehmen, die auf große Versammlungen in geschlossenen Räumen angewiesen sind, wie das Gastgewerbe und der Unterhaltungssektor, werden wahrscheinlich das Hauptziel der staatlichen Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie bleiben. Umfassendere Unterbrechungen der Wirtschaftsaktivitäten sollten jedoch eher die Ausnahme als die Regel bleiben. Es ist gut möglich, dass die wirtschaftliche Erholung weiter voranschreitet, wenn auch das Vorkrisenniveau erst 2022 erreicht sein wird. Sofern Überraschungen ausbleiben, sollte eine kontinuierliche Erholung, zusammen mit de expansiven Geldpolitik eine stabile Kursentwicklung an den Aktienmärkten unterstützen. Bleibt die Frage, ob die großen Konjunkturpakete und die gelockerte Geldpolitik zu einer Inflation führen? Das ist nicht einfach zu beantworten. Nach der Volkswirtschaftslehre sorgt die Zunahme der Geldmenge bei gleichbleibendem Angebot an Waren für steigende Preise und damit für Inflation. In der Praxis ist 2020 aber vor allem zu Beginn der Krise die Produktion sogar gesunken.
Gleichzeitig haben sich aber auch die die Konsumenten zurückgehalten. Im weiteren Jahresverlauf führten die Geldspritzen dann wieder zu mehr Produktion und parallel zu mehr Nachfrage, aber nicht zu höheren Preisen. Auch die Zinsimpulse der Zentralbanken wirken derzeit nicht inflationär. Dies würden sie nur dann tun, wenn aufgrund der niedrigen Zinsen mehr Kredite nachgefragt würden. Das ist jedoch derzeit nicht der Fall. Vielmehr halten sowohl die Unternehmen als auch die Verbraucher als Vorsichtsmaßnahme mehr Liquidität als früher üblich. Unter dem Strich entfacht eine lockere Geldpolitik allein nicht zwangsläufig eine höhere Inflation. 2021 kann ein Jahr der wirtschaftlichen Erholung werden. Und das Anlegervertrauen steigt. Dabei liefern die Notenbanken eine substanzielle Unterstützung. Sie haben bereits in den vergangenen Krisenzeiten ihre Handlungskraft unter Beweis gestellt. Damit erhöhen auch im aktuellen Umfeld wahrscheinlich die Investitionsbereitschaft für Aktien deutlich. Vom Umbau der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Ökonomie werden voraussichtlich die Unternehmen stärker profitieren, die sich diesen Themen schon jetzt erfolgreich stellen. Nachhaltige Geldanlagen werden immer mehr zum Standard – 021 dürfte ihr Jahr werden.