Mit Anleihen lässt sich weiter nur schwer Geld verdienen. Eine bessere Verzinsung liefern Mikrofinanzfonds, sagt Vermögensverwalter Andreas Enke in der Zeitschrift “DAS INVESTMENT”. Er sieht zudem weitere Vorteile.
An den Rentenmärkten beginnt das neue Jahr wie das alte geendet hat: Die Zinsen bewegen sich nach wie vor auf einem niedrigen Niveau beziehungsweise sogar im negativen Bereich - siehe zehnjährige Bundesanleihen. Mit Anleihen lässt sich schon länger nur dann ein Einkommen erzielen, wenn der Anleger bei der Bonität des Schuldners Zugeständnisse macht und somit höhere Ausfallrisiken in Kauf nimmt. Außerdem besteht die Gefahr, dass angesichts steigender Inflationserwartungen die Zinsen nach oben drehen und die Anleihenkurse unter Druck geraten.
Im Vergleich zu herkömmlichen Rentenfonds bieten Mikrofinanzfonds eine Reihe interessanter Vorteile. So rentieren sie erfahrungsgemäß mit immerhin ein bis zwei Prozent pro Jahr. Beispielsweise hat der KCD Mikrofinanzfonds III der Bank im Bistum Essen im vergangenen Jahr trotz des durch Corona bedingt schwierigen Umfelds eine aufgelaufene Rendite von 1,28 Prozent erwirtschaftet. Das ist durchaus beachtlich. Denn durch die Virus-Pandemie kam es in einer Reihe der Zielländer zu erheblichen wirtschaftlichen Belastungen.
Die Rendite von Mikrofinanzfonds hängt weitaus weniger am Zinsumfeld an den Rentenmärkten, sondern vor allem an der Rückzahlungsrate der Schuldner. Und die fällt mit durchschnittliche 96 bis 98 Prozent außerordentlich hoch aus.
Mikrofinanzfonds vergeben - in der Regel in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen vor Ort - schwerpunktmäßig in Schwellen- und Entwicklungsländern überschaubare Kredite an Kleinstunternehmer. Vor allem in Südamerika, Afrika und Teilen Asiens fehlt immer noch vielen Menschen - insbesondere im ländlichen Bereich - der Zugang zu einer Bank.
Hohe Zahlungsmoral
Um diese kümmern sich sogenannte Mikrofinanz-Institutionen und vergeben kleine Kredite an Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich eine wirtschaftliche Existenz aufbauen möchten. Bei den Darlehen geht es meistens um Beträge von weniger als 2.000 Euro pro Schuldner. Mit dem geliehenen Geld lässt sich beispielsweise der Kauf eines Fahrrads finanzieren, um Waren auszuliefern, eine Nähmaschine für den Start einer Schneiderei anschaffen oder eine Tiefkühltruhe für einen Kiosk erwerben. In den allermeisten Fällen zahlen die Schuldner ihre Kredite wie vereinbart zurück. Mit ein Grund dafür ist ein hoher sozialer Druck in den Dorfgemeinschaften, die stark auf ihren guten Ruf achten.
Aus finanzieller Sicht der Anleger tragen Mikrofinanzfonds spürbar zur Diversifizierung der Vermögen bei. Denn sie reagieren auf ganz andere Einflüsse wie Aktien oder Anleihen. Entscheidend für ihre Performance ist - wie bereits erwähnt - vor allem die Rückzahlungsrate der Schuldner.
Außer durch ihre zumindest nominal positiven Renditen zeichnen sich Mikrofinanzfonds dadurch aus, dass sie helfen, die Armut von Menschen zu bekämpfen. Durch den Aufbau eines Kleinstunternehmens können die Kreditnehmer häufig ihren Lebensstandard verbessern. Konkret bedeutet dies Fortschritte bei der Ernährung oder bei der medizinischen Versorgung. Ein großer Teil der vergebenen Mittel geht in der Regel an Frauen, was in der Folge dann deren soziale Stellung stärkt. Insgesamt übt der Anleger mit dem Kauf von Mikrofinanzfonds einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft aus und erhält dadurch neben der finanziellen auch eine soziale Rendite.
Kritik an Kosten
Allerdings gibt es auch bei Mikrofinanzfonds Punkte, die nicht unumstritten sind. So ist die kleinteilige Vergabe von Minikrediten mit einem hohen Aufwand verbunden. Nicht selten müssen die Mitarbeiter von Mikrofinanz-Institutionen lange Strecken mit leichten Geländemotorrädern zurücklegen, um ihre Kunden zu erreichen. Das lässt sich nur durch vergleichsweise hohe Kreditzinsen finanzieren.
Gleichzeitig besteht für die Anleger nur eine eingeschränkte Liquidität. Beispielsweise ist die Rückgabe beim KCD Mikrofinanzfonds III nur quartalsweise möglich, obwohl der Fonds einen vergleichsweise hohen Teil seines Vermögens in liquiden Mitteln hält. Anders lässt sich aber eine längerfristige Kreditvergabe an Kleinstunternehmer kaum umsetzen.
Schließlich bestehen gewisse politische Risiken. Denn ein größerer Teil der Kreditnehmer lebt in Ländern mit politisch instabilen Verhältnissen. So wurden beispielsweise zuletzt nach dem Militärputsch in Myanmar Auszahlungen zwischenzeitlich unterbrochen.
Vor diesem Hintergrund sind Mikrofinanzfonds vor allem für die Anleger geeignet, für die auch eine nachhaltig soziale Rendite zählt.