Das Vorstandsmitglied Mark-Uwe Falkenhain spricht bei n-tv über die Vorteile von ethisch-nachhaltigen Investitionen.
Im Laufe des Jahres dürfte Corona seinen Schrecken verlieren. Dann sollten andere Themen wieder an Bedeutung gewinnen – vor allem der Klimawandel. Das dürfte nachhaltige Investments antreiben.
Vor dem Ausbruch der Virus-Pandemie war der Klimawandel das bestimmende Thema - sowohl in der Gesellschaft als auch an den Finanzmärkten. Je mehr die Menschen Corona in den Griff bekommen, desto mehr dürfte die Erhaltung unserer Erde wieder in den Mittelpunkt der Diskussionen rücken. Denn während Covid-19 wahrscheinlich weitgehend zeitlich befristet ist, ist der Klimawandel längst noch nicht vom Tisch. Im Gegenteil: Das Thema dürfte wieder an Brisanz gewinnen. Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Verhalten einen positiven Einfluss auf die Umwelt und die Gesellschaft ausüben. Das erklärt eispielsweise den Erfolg pflanzlicher Fleischersatzprodukte, die es mittlerweile selbst bei Discountern wie Aldi und Lidl gibt. Das ist ein klares Indiz dafür, dass ein nachhaltiger Lebensstil in breiten Bevölkerungsschichten angekommen ist.
Einfluss auf große Konzerne nehmen
Vor Corona zählte nachhaltiges Investieren auch an den Finanzmärkten zu den großen Megatrends. Das Comeback dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Große institutionelle Investoren wenden sich schon länger immer häufiger von umweltbelastenden Investments ab und meiden vor allem zunehmend fossile Energieträger wie Kohle. Zwar sind die großen Profi-Investoren zuerst in das Thema nachhaltiges Investieren eingestiegen, doch auch Privatanleger können damit ihre Renditen steigern und durchaus einen positiven Einfluss auf große Konzerne nehmen – obwohl es im Einzelfall immer um vergleichsweise kleinere Beträge geht. Beispiel Shell: Der Mineralölkonzern wollte 1995 die im Atlantik schwimmende Öllager- und Verladeplattform Brent Spar in einem Tiefseegraben westlich von Irland im Meer versenken. Doch Greenpeace machte gegen diese Art der Entsorgung von Industrieschrott mobil. Boykottaufrufe führten bei den deutschen Shell-Tankstellen zu Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent. Der Mineralöl- onzern lenkte letztendlich ein und baute die Brent Spar zurück. Dabei hatte ein Großteil der Autofahrer nur seine jeweils fünfzig D-Mark nicht mehr bei Shell ausgegeben, sondern bei den Mitbewerbern getankt.
Nachhaltige Investments rentieren besser
Große Geldsammelstellen wie Versicherungen oder Pensionskassen berücksichtigen bei ihren Kapitalanlagen immer mehr ökologische und soziale Kriterien, auch, weil sich das langfristig finanziell auszahlt. Denn dadurch lassen sich verschiedene Risiken reduzieren, die die Rendite belasten. Volkswagen mit dem Dieselskandal oder die Deutsche Bank mit immer neuen Betrugsvorwürfen können davon ein Lied singen. Beide Konzerne haben in den zurückliegenden Jahren unter milliardenschweren Straf- und Entschädigungszahlungen gelitten. Gleichzeitig haben die beiden Unternehmen ihr Image schwer geschädigt. Ein Vergleich von Indizes belegt die bessere Performance von nachhaltigen Kapitalanlagen. Beispielsweise ist der Global Challenges Index (GCX) in den zurückliegenden zwölf Monaten um rund 15 Prozent gestiegen. Auf Sicht von drei Jahren summiert sich das Plus auf mehr als 50 Prozent. Der von den Börsen Hamburg und Hannover im Jahr 2007 lancierte Index umfasst 50 internationale Aktiengesellschaften, die besonders nachhaltig wirtschaften. Zum Vergleich: Der MSCI World lief in den vergangenen zwölf Monaten zwar ähnlich gut wie der GCX. In den zurückliegenden drei Jahren schaffte der herkömmliche Weltaktien-Index nicht einmal einen halb so großen Wertzuwachs wie sein nachhaltiges Pendant. Nachhaltiges Investieren rechnet sich also.
Die 25.000-Euro-Frage
Angenommen, ein Anleger stellt sich die Frage, wie er oder sie im aktuellen Umfeld an den Finanzmärkten 25.000 Euro mit einem mittleren Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren anlegen soll, scheint folgende Verteilung auf die verschiedenen Assetklassen sinnvoll.
Je nach Risikoneigung sollten 50 bis 75 Prozent des Geldes in Aktien fließen. Nur so lassen sich angesichts der niedrigen beziehungsweise negativen Zinsen überhaupt noch Renditen erwirtschaften. Generell sollten die Aktieninvestments sowohl regional als auch in Bezug auf Branchen breit gestreut werden. Aus den genannten Gründen sind nachhaltige Aktiengesellschaften zu bevorzugen. Vor allem bei kleineren Beträgen lässt sich ein nachhaltiges und breit gestreutes Aktiendepot am besten durch entsprechende aktiv gemanagte Fonds aufbauen. Zwar sind passive Indexfonds (ETFs) kostengünstiger. In der Regel genügen sie aber nicht wirklich strengen sozialen und ökologischen Kriterien. Die restlichen Mittel sollten in Anleihen oder Barmittel investiert werden. Diese Anlagen dienen zumindest halbwegs dem nominalen Erhalt des Vermögens, also vor Abzug der Inflation. Außerdem helfen sie dabei, die Schwankungen der
Aktieninvestments etwas zu glätten. Schließlich ist das Halten von Liquidität die Voraussetzung dafür, um bei möglichen Rücksetzern an den Aktienmärkten günstig nachkaufen zu können.
Von Investments in Gold ist vor allem unter nachhaltigen Gesichtspunkten abzusehen. Zwar hat das Edelmetall den Ruf, eine der stabilsten Währungen überhaupt zu sein. Aber die Gewinnung von Gold erfolgt regelmäßig unter nicht akzeptablen Arbeitsbedingungen und ist häufig mit erheblichen Belastungen der Umwelt verbunden. Sogenanntes Green Gold, dessen Abbau nachhaltig erfolgt,
steht bisher leider erst am Anfang. Und bei näherem Hinsehen wird man ebenfalls feststellen, dass die Kursschwankungen durchaus erheblich sind und das die vielzitierte Stabilität damit in der Historie nur sehr eingeschränkt stattgefunden hat.
www.geneon-vermoegen.net